Mega-Trend: Autonomes Fahren - Welche Aktien profitieren? - Fundamental Capital

Autor  Jörn Schimanski
Veröffentlicht:   14.09.2018

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Mega-Trend: Autonomes Fahren – Welche Aktien profitieren?

Wie wir Anleger von diesem Megatrend profitieren können

Der säkulare Megatrend rund um autonomes Fahren hat vor einigen Jahren begonnen und wird in den nächsten Jahren ein gewaltiges Wachstum erleben. Dieses Thema betrifft uns alle, also schauen wir uns den Trend im Detail an und gehen dann dazu über, wie wir als Investoren an diesem Trend partizipieren, und davon profitieren können.

Was sind autonome Fahrzeuge, und was ist autonomes Fahren?

Laut Definition ist ein autonomes Fahrzeug ein „Fahrzeug, das in der Lage ist, seine Umgebung zu erfassen und ohne menschlichen Eingriff zu navigieren“. Um welche Art Fahrzeug es sich dabei handelt, spielt theoretisch keine Rolle. Es kann ein Auto, ein LKW, ein Bus aber auch ein Motorrad und sogar ein Schiff oder ein Flugzeug sein. Um diese Navigation ohne menschlichen Eingriff zu ermöglichen, müssen eine Vielzahl von technologischen Entwicklungen kombiniert werden.
Autonome Fahrzeuge müssen ihre Umgebung nicht nur analysieren, sondern auch interpretieren. Die dazu notwendigen relevanten Technologien sind unter anderem Radar, Laserlicht, GPS, Odometrie und komplexe Algorithmen zur bewegten Bilderkennung. Darüber hinaus wird das autonome Fahren aktuell in 5 Stufen kategorisiert.

Stufe 1 – Driver Assistance (hands on)
Stufe 2 – Partly Automated Driving (hands off)
Stufe 3 – Highly Automated Driving (eyes off)
Stufe 4 – Fully Automated Driving (mind off)
Stufe 5 – Full Automation (kein Mensch im Fahrzeug erforderlich)

Autonome Fahrzeuge können über das Internet vernetzt sein, oder auch nicht. Aktuelle autonome Fahrzeuge verfügen über eine enorme integrierte Rechenleistung und verschiedene Kameras, Sensoren und Radar. Noch müssen nicht alle Systeme mit dem Internet verbunden sein. Wir gehen davon aus, dass mit der flächendeckenden Einführung des 5G Netzes der Durchbruch zur dauerhaften Verbindung der Fahrzeuge mit dem Internet kommen wird. Nicht zuletzt, weil die in Echtzeit übertragenen Daten die Systeme der Hersteller aktualisieren und optimieren können. Diese vernetzen Fahrzeuge stehen dann durch das Mobilfunknetz mit einer Cloud- oder einem Cloudbasierten Serviceangebot, inklusive Ferndiagnose, stets aktualisierte Karten, Infotainment und auch Pannenhilfe in Verbindung.

Nahezu alle Automobilkonzerne und auch die meisten großen Technologieunternehmen befinden sich im Wettlauf um diese Entwicklung von vollautonomen Fahrzeugen. Einige behaupten, dass die Technologie schon 2020 soweit sein wird, da sich aktuell schon viele Unternehmen in echten Live-Tests der Systeme befinden.

Abbildung 1: Ein Blick in ein selbstfahrendes Auto der Stufe 4 und 5. Quelle: Mercedes-Benz

Wie man von diesem Trend profitiert

Im untenstehenden Chart sind einige verschiedene Branchen aufgelistet, die von dem säkularen Trend des autonomen Fahrens profitieren dürften. Sie können dort die erwartete Gewinnentwicklung der nächsten 12 Jahre in Milliarden US-Dollar ablesen. Da der Markt nicht nur spannend, sondern auch hochprofitabel ist, gehen wir auf die wichtigsten in der Grafik genannten Branchen im Detail ein. Welche Unternehmen schon jetzt herausragend positioniert sind, und welche in Zukunft deutlich aufholen können, erfahren sie jetzt.

Abbildung 2 zeigt die erwarteten Gewinne im Bereich autonomes Fahren nach Branchen in Milliarden US-Dollar.

Automobilhersteller

Ein großes Stück vom Kuchen werden die führenden Automobilhersteller für sich verbuchen können. Besonders die Automobilhersteller, die mit Unternehmen des „Ride Sharings“ wie Uber oder Lyft kooperieren und die die technologische Herausforderung der Autonomie der Stufe 5 als erste lösen sollten gewaltig profitieren können.

General Motors gab in Kooperation mit Lyft vor kurzem bekannt, dass sie im Jahr 2019 bereits eine groß angelegte Einführung von selbstfahrenden Autos in US-Großstädten planen. GM will in Kürze vollständig autonome Robo-Taxis auf den Markt bringen. Als Basis für diese Fahrzeuge soll der bereits aktuell auf dem Markt befindliche Chevy Bolt dienen.

Ford kündigte bereits im Jahr 2017 Investitionen von 1 Milliarde Dollar im Laufe der nächsten fünf Jahre in das Unternehmen Argo AI an. Gegründet wurde es von ehemaligen Mitarbeitern von Google und Uber, die in der Sparte der künstlichen Intelligenz beschäftigt waren.

Tesla, als einer der bekanntesten Autohersteller der neuen Generation ist bekannt für seinen Einsatz im Bereich des autonomen Fahrens. Mit dem Autopilot hat Tesla bereits jetzt die Technologie für die Stufe 1, 2 und 3 im Angebot und arbeitet mit Hochdruck an der Weiterentwicklung bis hin zur Stufe 5. Der Visionär Elon Musk denkt an Wege, die es Tesla Kunden künftig ermöglichen sollen, mit ihrem Fahrzeug Geld zu verdienen, während es sonst ungebraucht auf seinen Besitzer wartet. Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass Autos im Durchschnitt über 90% ungenutzt herumstehen. Aus diesem Grund ist es auch ziemlich wahrscheinlich, dass Tesla auch ein eigenes Fahrgemeinschaftsprogramm startet.

Datenverarbeitung und Konnektivität

Die „smarte“ Konnektivität von Fahrzeugen befindet sich noch in den Kinderschuhen und ist auf einen groß angelegten Ausbau der technologischen Infrastruktur angewiesen. Aktuell sind autonome Fahrzeuge noch sehr begrenzt mit dem Internet verbunden. Der Schlüssel hierzu ist der weltweite Ausbau des 5G Netzes, der es ermöglichen wird, die riesigen Datenmengen über das Mobilfunknetz zu übertragen. Wir reden hier nicht mehr vom Gigabytebereich, sondern von täglich übertragenen Daten im Terrabytebereich, wie das untenstehende Bild anschaulich darstellt. Autonome Fahrzeuge produzieren Daten, die zum heutigen Zeitpunkt noch zum Großteil von den Bordcomputern und den weiteren internen Fahrzeugsystemen verarbeitet werden. Hier kommen beispielsweis Intel oder Nvidia Chips zum Einsatz. Mit der flächendeckenden Verfügbarkeit des 5G Netzes ist es in naher Zukunft wahrscheinlicher, dass ein Großteil der Daten über das Internet an die Rechenzentren übertragen und dort verarbeitet werden.

Abbildung 3 zeigt einen Überblick über die immense Datenflut verursacht durch autonome Fahrzeuge.

Die wichtigsten 5G Anbieter in diesem Zusammenhang sind die Big-Player AT&T und Verizon. Sie profitieren ab dem Zeitpunkt von dem massiven Datenfluss über das 5G Netz.
Das Technologieunternehmen Micron Technology hat bereits damit begonnen, Speicherchips an autonome Automobilhersteller zu liefern und arbeitet an Speicherprodukten mit hoher Bandbreite, die auf der Grafikspeicherplattform GDDR basieren. Das offizielle Statement von Micron besagt, dass das Unternehmen „aktiv“ mit Automobilherstellern zusammenarbeitet, um die GDDR-Technologie weiterzuentwickeln.

Mitfahrgelegenheiten (Ride-Sharing)

Den Bereich der Mitfahrgelegenheiten sehen viele etablierte Autohersteller als einen der größten Wachstumsmärkte an und haben sich schon frühzeitig positioniert. Die deutschen Hersteller Daimler haben schon früh in myTaxi und car2go investiert. BMW belegt diese Sparte mit DriveNow und Volkswagen hat in Gett investiert.

Leider kann man in einen Großteil der Ride-Sharing Anbieter (noch) nicht investieren, sie sind als private Unternehmen für die meisten Investoren nicht investierbar. Dazu gehören beispielsweise die deutschen Unternehmen DriveNow, car2go und myTaxi, aber auch Uber, Lyft und Gett sind für Investoren noch keine Option.

Natürlich muss auch in Zukunft die Nutzung der Anbieter bezahlt werden, und dies bevorzugt bargeldlos. Daher profitieren auch die etablierten Zahlungsdienstleister, wie American Express, Visa oder Mastercard. Langfristig werden diese Anbieter Konkurrenz bekommen, durch die Internetgiganten mit ihren Angeboten wie Apple Pay (Apple), Google Pay (Alphabet) oder Alipay (Alibaba).

Maps und GPS

Die Google Mutter Alphabet ist mit Abstand der wichtigste Anbieter und Marktführer für Karten. In China sieht es anders aus, dort besitzen Baidu und Alibaba zwei der drei größten Mappingunternehmen. Doch auch Hersteller wie Nokia, Uber und General Motors haben in Kartensysteme investiert.

Tesla setzt zum Beispiel schon jetzt auf die Google Karten, die definitiv am fortschrittlichsten sind. Apple hat diesen Markt leider verschlafen und dem Thema in der Vergangenheit viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Da Apple aber auf einem riesigen Geldberg sitzt, könnte dieser Fehler mit einer Übernahme wieder ausgebügelt werden. Doch um auf den Stand von Google Maps zu kommen, ist es ein sehr weiter Weg. Nicht umsonst ist Google Maps die erste oder zweite App (entweder vor oder nach Whatsapp), die sich ein Iphone-Nutzer herunterlädt.

Software

Wie Sie der obenstehenden Grafik entnehmen können, wird sich der Softwarebereich wahrscheinlich zum profitabelsten Bereich dieses Trends entwickeln. Dieser Verlauf ist deutlich vorstellbar, denn im Softwarebereich sind die Margen üblicherweise im Vergleich zum produzierenden Gewerbe sehr hoch.

Die Software in Kombination mit der eingesetzten Hardware der essentielle Baustein für den Aufbau und die Funktionalität der autonomen Fahrzeugsysteme. Nvidia entwickelt dazu die sogenannte Xavier-Technologie. Sie ermöglicht die Verarbeitung von bis zu 30 Milliarden Deep-Learning Analysen pro Sekunde und verbraucht nur etwa 30 Watt Leistung. CEO Huang beschreibt diese Technologie wie folgt: „Während Autos auf der Straße heute in der Lage sind, vor ihnen fahrende Fahrzeuge zu erkennen und bei Bedarf zu bremsen, sind die Anforderungen an das autonome Fahren deutlich höher. Stattdessen kann uns das tiefe Lernen ermöglichen, ein Auto zum Fahren zu trainieren und letztendlich viel besser – und sicherer – zu sein, als es jeder Mensch hinter dem Steuer tun könnte. Wir haben unsere Roadmap für autonome Fahrzeuge überarbeitet. Wir haben uns dem Ziel verschrieben, eine End-to-End-Lösung für Deep-Learning zu entwickeln. Fast jeder, der Deep-Learning nutzt, nutzt unsere Plattform.“

Intel wollte im Jahr 2017 im Bereich autonomes Fahren aufholen und sicherte sich für 15 Milliarden US-Dollar das Unternehmen MobilEye. MobilEye ist der führende Anbieter von Computer Vision Chips, die in Fahrerassistenzsysteme zum Einsatz kommen. Die Technologie wird bereits von dem Großteil der Automobilhersteller eingesetzt, darunter auch Audi, BMW, General Motors und Ford.

Wired and Wireless Hardware

Aptiv (ehemals Delphi Automotive) ist ein globales Unternehmen der Automobilzulieferindustrie mit Hauptsitz in Gillingham, Kent, Großbritannien. Aptiv bietet komplette Bordnetz-Systeme an und integriert Verkabelungs- und Kabelbaugruppen, Elektrozentralen und Anschlusssysteme. Das Unternehmen stellt auch elektronische Sicherheitseinrichtungen für Autos her und hat die autonome Fahrzeugtechnik entwickelt. Das Unternehmen hat sich zu einem der Top-Player im Trend der autonomen Fahrzeuge entwickelt. Sie haben Partnerschaften mit anderen wichtigen Akteuren wie beispielsweise Lyft und Intel.

Bosch ist ein weltweit führender Automobilzulieferer. Das Unternehmen hat mehr als 2.000 Ingenieure für Fahrerassistenzsysteme eingestellt. Bosch ist unter anderem auch das Fahrassistenzsystem ESP zu verdanken, welches durch das Unternehmen bereits im Jahr 1995 entwickelt wurde und einen wichtigen Grundstein für das autonome Fahren gelegt hat und sozusagen den Weg in diese Richtung geebnet hat.

Samsung hat kürzlich eine autonome Fahrplattform namens DRVLINE vorgestellt, eine Hard- und Softwareplattform, die es den Automobilherstellern ermöglicht, kundenspezifische, technologisch fortschrittliche autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Samsung arbeitet eng mit seiner Tochtergesellschaft Harman zusammen. Samsung begann 2017 mit dem Testen von autonomen Fahrzeugen, nachdem Harman, ein führender Anbieter von In-Car-Technologie und vernetzten Fahrzeugsystemen, für 8 Milliarden US-Dollar erworben wurde. Weitere fahrzeugorientierte Technologieprodukte sind die erste 5G-fähige Antenne der Branche, die schnelle Datenverbindungen ermöglicht.

Der Underdog-Zulieferer STMicroelectronics mit Sitz in Genf liefert derzeit durchschnittlich 35 Komponenten für jedes neu hergestellte Auto und gilt in der Regel als führender Anbieter von smarter-Car-Technologie.

Abschlusswort

Wie man an diesem Artikel sehen kann, ist der Bereich um das autonome Fahren riesig und verbindet den Einsatz unterschiedlichster Technologien miteinander. Auch hat er zu Partnerschaften zwischen Unternehmen geführt, die man von 10 Jahren noch für unmöglich gehalten hätte. Und darüber hinaus wird er dafür sorgen, dass sich Startups in bestimmen Bereichen insbesondere bei Software und Apps etablieren können. Die Liste der genannten Anbieter ist selbstverständlich nicht final, es gibt viele weitere Unternehmen, die um Marktanteile in diesem Segment kämpfen. Wir haben uns sowohl auf die bekannten Player, als auch einige unbekannte Unternehmen fokussiert, die an diesem Trend teilhaben. Einige der genannten Unternehmen, wie auch einige weitere nicht genannte Unternehmen aus diesem Megatrend halten wir auch in unserem Portfolio bei Fundamental Capital.

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