Warum Buy and Hold nur in der Theorie funktioniert - Fundamental Capital

Autor  Arthur Vott
Veröffentlicht:   24.08.2018

Newsletter

Card image cap
Exklusives Experten Research

Hunderte von Investoren lesen mittlerweile unsere monatliche Analysen. Erhalten Sie einzigartige Einblicke in unser Investment-Research, die wir nur in unserem privaten Newsletter teilen.

Investieren

Warum Buy and Hold nur in der Theorie funktioniert

Deutschlands Zukunft

Auf den Punkt gebracht:
  • Der Buy and Hold Ansatz ist zurzeit in aller Munde. Ob als Do-it-yourself Investor oder im Rahmen einer professionellen Vermögensverwaltung, die Portfolios vieler Anleger bauen auf die Funktionsweise dieser Strategie.
  • Zwei wesentliche Faktoren entscheiden über den Erfolg und Misserfolg einer Buy and Hold Strategie. Nummer eins ist das Timing der Strategie. Nummer zwei, die Psychologie des Menschen.
  • Die Praxis zeigt, dass kaum ein Buy and Hold Investor bis zum Ende seiner Stratgie durchhält. Oft gibt er nach und setzt dadurch sein Portfolio unnötigen Risiken aus.

 

Buy and Hold ist so beliebt wie nie

Man könnte meinen, dass eine große Anzahl an Investoren nach zwei großen Marktkorrekturen von über 50% innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte eine bessere Einschätzung darüber haben sollten, wie viel Zeit es eigentlich braucht, um sich aus erzielten Verlusten zu befreien.

Und dennoch, geändert hat sich an der Einstellung trotz zwei Krisen anscheinend gar nichts. Der Investmentstil des „Buy and Hold“ wird immer noch von zahlreichen Anlegern befürwortet und empfohlen. Vor allem der jüngste Aufstieg passiver Anlageinstrumente (wie z.B. ETFs) führte zu einer regelrechten Explosion dieser Anlagemethodik. Ob als Do-it-yourself Investor oder im Rahmen einer professionellen Vermögensverwaltung, die Portfolios vieler Anleger bauen auf die Funktionsweise dieser Strategie. Das Werbeversprochen ist dabei oft einfach zusammengefasst:

„Wer Aktien länger als 20 Jahre hält, hat noch niemals Geld verloren.“

Nun, die Aussage ist zunächst einmal richtig und beweist, wie magisch manchmal die Börse wirken kann. Wer lange genug dabei ist, den belohnt einfach die Zeit. Doch trotzdem birgt der Buy-and-Hold Ansatz viele Gefahren und Risiken. Warum er nur in der Theorie schön klingt und in der Realität zu heftigen Verlusten führen kann, ist das Thema dieses Artikels. Und wir werden sehen, dass Erfolg und Misserfolg dieses Ansatzes maßgeblich von zwei wesentlichen Faktoren abhängt.

Was ist Buy and Hold?

Buy and Hold – das Grundprinzip der Funktionsweise der Anlagestrategie versteckt sich schon im Namen. Sie kaufen z.B. Aktien, Anleihen oder ETFs und versuchen diese möglichst lange zu halten. Als Buy and Hold Anleger investieren Sie langfristig ohne auf die kurzfristigen Schwankungen und Unsicherheiten der Börse zu reagieren.

Großbritannien verlässt die EU? Sie bleiben voll investiert. Trump zettelt einen globalen Wirtschaftskrieg an? Sie bleiben voll investiert. Der DAX stürzt ab? Sie bleiben voll investiert.

Einen Buy and Hold Investor kümmert es nicht, was Morgen an der Börse passiert, denn sein Investmenthorizont beträgt üblicherweise mindestens zehn Jahre. Alles was zählt ist das Ziel vor Augen zu behalten, denn wie wir oben gesehen haben, wächst der Aktienmarkt langfristig gesehen immer.

Was ist das Problem von Buy and Hold?

Einige mögen sich vielleicht fragen, wofür braucht man dann noch Vermögensverwalter oder Fondsmanager? Einfach ein paar breit gefächerte ETFs ins Portfolio legen und abwarten. In 20-30 Jahren ist man dann mehrfacher Millionär – so ungefähr die Theorie.

Unterstützt wird diese Theorie durch mehrere gut dokumentierte und akademische Studien, die zeigen, dass ein diversifiziertes Portfolio (wie z.B. in Abbildung 1) mit einem Buy and Hold Ansatz so ziemlich viele Fondsmanager kalt stehen gelassen hätte und damit eine langfristig bessere Rendite erzielt hätte.

Standardportfolio

Abbildung 1: Wir haben uns online einen Anlagevorschlag auf Basis einer mittel-hohen Risikobereitschaft geben lassen. Das Ergebnis ist die oben dargestellte Allokation. Ein Portfolio, das heutzutage bei vielen Buy and Hold Investoren zum Einsatz kommt: 80% Aktien, 10-15% Anleihen und 5% Rohstoffe

Sie lesen richtig. Hätte.

Denn die Renditen viele dieser Studien finden nur auf dem Papier statt und vernachlässigen zwei wesentliche Faktoren, die über den Erfolg und Misserfolg einer Buy and Hold Strategie entscheiden. Nummer eins ist das Timing der Strategie. Nummer zwei, die Psychologie des Menschen.

#1: Beim Investieren zählt der Start und Endzeitpunkt

In Zeiten wo es bergauf geht, verlieren viele Investoren ihren Blick für die Geschichte. Geblendet von den sagenhaften Renditen der letzten Jahre scheint es fast schon unwahrscheinlich, dass die Börse mal weniger als 5% Rendite pro Jahr bringt. Aber auch solche Verschnaufpausen gehören nun mal zum Investieren dazu.

Abbildung 2 zeigt den Verlauf eines Investments von 1.000€ in den amerikanischen S&P500 Index. Der Graph berücksichtigt Dividendenauszahlungen und Inflation und spiegelt somit die real erzielte Rendite des Investors wieder, der das glückliche Händchen hatte, schon seit 1872 dabei zu sein. Die Balken in Grau weisen auf Krisen und deutliche Abwärtsphasen hin und geben die Zeit an, die der Investor gebraucht hätte, um seine Verluste wieder einzuholen.

SP500

Abbildung 2: Verlauf eines 1.000€ Investments in den S&P500 Index. Der Graph berücksichtigt Inflation und Dividendenauszahlungen. Währungseffekte wurden zwecks Einfachheit nicht berücksichtigt.

Es fällt auf, der glückliche Investor ist mit 1.000€ Initial-Investment und einem Buy and Hold Ansatz ein ziemlich reicher Mann geworden. Allerdings hat er auch dafür 140 Jahre gebraucht. Kein Anleger der Welt hat 140 Jahre Zeit, um zu investieren. Da die meisten Anleger erst ab dem 30. Lebensjahr ernsthaft für ihren Ruhestand sparen, haben sie also meist nur einen einzigen Marktzyklus Zeit (rund 30 Jahre), um ihre Ziele zu erreichen. Wie wir später sehen werden, halten viele Buy and Hold Investoren psychologisch gesehen diese langen Anlagehorizonte nicht aus, weshalb wir im Durchschnitt eher mit 20 Jahren rechnen müssen.

Schauen wir uns in Abbildung 3 verschiedene Zeitperioden an, so wird schnell deutlich, dass die Renditeverteilung für einen Buy and Hold Investor alles andere als konstant ist. Die Start- und Endzeitpunkte spielen eine maßgebliche Rolle in seiner Anlagestrategie. Wenn sein Zyklus einen Zeitraum umfasst, in dem die Gesamtrenditen relativ gering ausfallen (z.B. 1962 – 1982), werden die Chancen, seine Sparziele zu erreichen, verringert. Wenn der 20-jährige Investitionszyklus eines Anlegers mit einem schweren Markteinbruch endet, ist das Ergebnis sogar noch verheerender. Bedenken wir einfach, dass der Buy and Hold Investor zwischen 2000 und 2013 eine Rendite von 0% erzielt hat (Inflationsbereinigt). Geld verloren hat er im Vergleich zum Sparer zwar keins, seine Ziele erfüllt hat er aber auch nicht. Dafür hat er aber deutlich mehr Risiken aufgenommen, um am Ende mit gar nichts dazustehen.

Renditefenster

Abbildung 3: Die Tabelle zeigt die Entwicklung eines Investments zu verschiedenenen Zeitpunkten. Basis ist der S&P500 Index. Auch hier berücksichtigt die Rendite Inflation und Dividendenauszahlungen, jedoch keine Währungseffekte (USD/EUR).

Erst, wenn wir den Anlagehorizont auf 50 Jahre anheben, können wir sicher sein, dass ein Buy and Hold Investor seine finanziellen Ziele erreichen kann und ca. ein Minimum an Rendite von 5% p.a. erzielt. Aber nochmal, welcher Investor hat schon 50 Jahre Zeit.

#2: Haben Sie einen tiefen und festen Schlaf?

Ein weiterer Faktor, den viele Buy and Hold Investoren beim Start ihrer Anlagestrategie unterschätzen, ist der psychologische Einfluss des Geldes auf uns Menschen. Kognitive Verzerrungen wirken wie ein Dolch für das eigene Portfoliomanagement, da sie die Fähigkeit beeinträchtigen, uns emotional von unserem Geld zu trennen.

Wie uns die Geschichte nur allzu deutlich zeigt, tun private Anleger immer das Gegenteil von dem, was sie eigentlich sollten, wenn es darum geht, ihr eigenes Geld anzulegen. Sie kaufen hoch, weil das Gefühl der Gier die Rationalität überholt und verkaufen tief, weil Angst den Entscheidungsprozess beeinträchtigt.

In Praxis sieht das häufig so aus, dass besonders in schweren Zeiten, Privatanleger von den Regeln des Buy and Hold Prinzips abweichen und damit die Logik der Strategie aushebeln. Wenn diese Investoren einmal -50% auf ihrem Depotkonto stehen haben (und das werden sie als Buy and Hold Investor mit absoluter Sicherheit), dann verändert sich ihre Wahrnehmung. Panik und Angst macht sich breit, schließlich steht in so einem Fall der hart erarbeitete Wohlstand auf dem Spiel. Selbst wenn man weiß, dass die Lage in 5-10 Jahren wieder anders aussieht, erzeugt jeder verlorene Prozentpunkt ein flaues Gefühl im Magen. Viele Investoren halten diesen Zustand nicht aus und verkaufen mitten in der Krise. Erst wenn der halbe Aufschwung (nach der Krise) schon geschehen ist, trauen sich viele erst wieder zu reinvestieren.

Ein Beispiel aus der Praxis

Entgegen einiger Studien, die die Vorteile des Buy and Hold Ansatzes nur auf dem Papier nachweisen, lohnt sich für echte Ergebnisse ein Blick auf die Praxis. Dafür eignet sich insbesondere eine Studie von Vanguard , einer der größten ETF- und 401k (das Äquivalent der USA zu einem Rentensparkonto) Anbieter weltweit. Wir konzentrieren uns in der Analyse auf amerikanische Kunden, da dort die Verflechtung von privater Altersvorsorge und dem Buy and Hold Ansatz am stärksten ist. Vanguard gilt selbst als einer der größten Verfechter dieser Anlagestrategie.

Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass Theorie und Praxis oft ganz weit auseinanderliegen. 2017 lag der Median der 401k-Accounts bei rund 26.000$ und der Durchschnittswert bei ungefähr 104.000$. Schaut man zehn Jahre zurück (2007) so hat sich nur wenig verändert. Der Median lag damals bei rund 30.000$ und der Durchschnitt bei 93.000$. Nun haben in den letzten zehn Jahren deutlich mehr junge Leute einen Account eröffnet, was die Zahlen etwas nach unten verzerrt hat. Schaut man jedoch auf die Accounts der 55- bis 64-Jährigen, eine Gruppe, die sich dem Ruhestand nähert, so ist das Muster ziemlich ähnlich. Während der Median sich kaum verändert hat, stieg der Durchschnitt um magere 22.000$. Der S&P500 Index stieg in dieser Zeit um 80%.

Was ist passiert? Warum strotzen die 401k Accounts nicht vor Wohlstand?

Selbst wenn die Werbeversprechen der Anbieter funktionieren, warum ist dann die überwiegende Mehrheit der Amerikaner so schlecht für den Ruhestand gerüstet? Es kann nur am mangelnden Kapital (zum Investieren) oder am psychologischen Anlageverhalten liegen. Da über 50% der Amerikaner Aktien halten, glauben wir, dass ein Großteil der Gründe (nicht alle) auf Letzteres zurückzuführen ist.

Alternativen für anspruchsvolle Anleger

Was sind nun die Implikationen für einen (potentiellen) Investor? Anleger, die weiterhin dem Buy and Hold Ansatz treu bleiben wollen, können darauf hoffen, dass sie ein glückliches Händchen bei dem momentanen Renditefenster haben (was wir stark bezweifeln). Um psychologische Fallstricke zu vermeiden, lohnt es sich den Account nur alle fünf Jahre zu überprüfen, in Krisenzeiten am besten gar nicht.

Für alle Investoren, die nicht vom Glück abhängen wollen, lohnt sich ein Blick auf aktive Strategien. Die Philosophie dahinter ist eigentlich einfach erklärt. Man investiert aggressiv, wenn die Bewertungen günstig sind und vorsichtig, wenn sie hoch sind. Auch für uns ist die Fähigkeit Verluste zu vermeiden der erste wichtige Schritt für eine erfolgreiche Vermögensbildung. Korrekturen und Abstürze sind sehr wichtig im Big Picture. Die Vermeidung von Verlusten wiegt bei der Vermögensbildung weitaus schwerer als die Jagd nach Renditen. Wie so eine Strategie aussehen kann, lässt sich in Abbildung 4 erkennen.

Der Einsatz von Hedging (zu Deutsch: „Absicherungsmaßnahmen“) kann Sie zwar nicht vor einer Krise retten, aber Ihr hart verdientes Geld besser schützen. Während Andere ihren Verlust aufholen, können Sie durch ein gut eingesetztes Hedging schon an neuen Gewinnen arbeiten. So können Sie unabhängig von Marktlage- und stimmung investieren, und dabei Ihre Chancen zum Erreichen der finanziellen Ziele steigern.

Hedging

Abbildung 4: Die Abbildung zeigt der Verlauf einer abgesicherten Strategie, die z.B. Portfoliorisiken durch Short-ETFs abfedert.

© Fundamental Capital GmbH 2018 | Die Geldanlage an den Finanzmärkten ist mit Risiken verbunden. Alle Rechte vorbehalten. Lesen Sie dazu unseren Risikohinweis.

x

Für Vermögensverwalter
Was ist eigentlich Ihre Kernkompetenz?